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Das Prinzip der Nachhaltigkeit

Nachhaltiges Wirtschaften

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet die Bedürfnisse der heutigen Zeit so zu befriedigen, dass nachfolgende Generationen ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches System vorfinden und somit dieselbe Möglichkeit haben ihre Bedürfnisse zu befriedigen. (Generationengerechtigkeit).
Eine Wirtschaftsweise gilt also allgemein dann als nachhaltig, wenn sie auf lange Zeit funktioniert und dauerhaft betrieben werden kann.

Ziele

Das große Ziel der ökonomischen Nachhaltigkeit wird bereits durch die Definition erkennbar: Ein intaktes ökonomisches, soziales und ökologisches System formen, das dauerhaft betrieben werden kann. Für ein solches System sind für jeden Aspekt einzelne Ziele festgelegt.
Der soziale Aspekt fordert als Ziel gerechte Verteilung der Lebenschancen, globale Vermittlung und Einhaltung der Menschenrechte und Bildung für alle.
Die Ökologie fordert von der Wirtschaft eine ressourcenschonende Wirtschaftsweise und allgemein der Schutz der Umwelt für ein stabiles Ökosystem.
Für ein ökonomisch stabiles System werden Preisstabilität, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und ein hoher Beschäftigungsgrad, der aufrechterhalten bleiben kann, als Ziele gesetzt.

Bedeutung der ökonomischen Dimension

Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit sind so eng miteinander verknüpft, dass keiner eine größere Bedeutung oder wichtigere Aufgabe als den beiden anderen zugeschrieben werden kann. Nur in Gesamtheitlicher Betrachtung und Anwendung kann Nachhaltigkeit funktionieren. Auch bei der Zielsetzung ist erkennbar, dass das Ziel des nachhaltigen Wirtschaftens viele soziale und ökologische Aspekte beinhaltet. Fokussiert man aber die Bedeutung der wirtschaftlichen Dimension kann man zum Beispiel sagen, dass globale und soziale Ziele sich nur dann verwirklichen lassen wenn sie mit der ökonomischen Gesamtentwicklung in Einklang stehen. Umgekehrt können Unternehmen eventuell Einbußen verzeichnen, wenn sie sich nicht an ökologische oder soziale Entwicklungstrends anpassen.

Ökologische Ökonomie

Die Ökologische Ökonomie versteht sich als Wissenschaft des nachhaltigen Wirtschaftens und ist die Alternative zur Neoklassik, der momentan herrschenden Wirtschaftswissenschaft. Die Neoklassik geht (ähnlich dem Begriff der schwachen Nachhaltigkeit) davon aus, dass sich Natur nicht sehr von anderen Produktionsfaktoren unterscheidet und deswegen die Ressourcenknappheit kein Problem ist, solange sich leicht Substituten (Ersatzgüter) finden lassen. Die ökologische Ökonomie legt dahingegen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem in Bezug auf Knappheit natürlicher Ressourcen, großen Wert. Sie betont die absolute Knappheit bestimmter Ressourcen.

Probleme

Das größte Problem der Nachhaltigkeit stellt der Umdenkungsprozess dar. Die Umstände, die Nachhaltigkeit besonders fordern, wie zum Beispiel enormer Ressourcenverbrauch oder unbedachte Schwächung des Ökosystems, kommen meist nicht von ungefähr sondern basieren auf Einstellungen und wirtschaftlichen Denkweisen von Industrieländern.

Zeitpräferenz

In der Nachhaltigkeitswissenschaft wird die Vorstellung „Wir haben die Erde von unseren Eltern geerbt“ durch den Leitsatz „Wir haben die Erde von unseren Kindern geliehen“ abgelöst. In der Nachhaltigkeit spielt die Zukunft also eine wichtigere Rolle als die Gegenwart, weil eine zu hohe Zeitpräferenz, also ein zu hoher Wert der Gegenwart gegenüber der Zukunft, dem Ziel der Generationengerechtigkeit widerspricht. Es gilt also schon in der Gegenwart ökologisch und sozial zukunftsorientiert zu wirtschaften.

Wertvorstellungen

Um nachhaltiges Wirtschaften zu verwirklichen müssen vor allem ökologische und soziale Aspekte in wirtschaftliche Kalkulationen miteinbezogen werden. Es ist aber im Allgemeinen schwierig der Umwelt einen Sachwert zuzuweisen. In diesem Zusammenhang werden auch die Begriffe schwache und starke Nachhaltigkeit unterschieden. Während schwache Nachhaltigkeit besagt, dass sich Naturkapital mit Sachkapital aufwiegen lässt, bezeichnet starke Nachhaltigkeit Natur und Umwelt als unersetzbar.

Beispiele für "Nachhaltiges Wirtschaften"

Nachhaltigkeit im Konsum

Auch private Haushalte können täglich nachhaltig wirtschaften, indem sie Produkte von Projekten konsumieren, die Nachhaltigkeit unterstützen. So kann beispielsweise beim Einkauf von Nahrung und Kosmetikartikeln auf Öko- oder Fair Trade- Siegel und beim Konsum von Kleidung auf Textilien, die ohne Kinder- oder Zwangsarbeit hergestellt wurden, geachtet werden. Auch beim Hausbau können Alternativen wie Öko- oder Energiesparhäuser gewählt werden. Bei Reisen können Alternative Reiseanbieter eine gute Wahl sein.

Nachhaltigkeit in der Abfallwirtschaft

Bei der Müllentsorgung können sowohl Unternehmen als auch Privathaushalte nachhaltig handeln. Mülltrennung, Recycling, Kreislaufwirtschaft sind Maßnahmen, die schon im großen Rahmen betrieben werden.

Nachhaltigkeit als Produktionsprinzip

Einige Unternehmen, gerade im Bereich erneuerbare/alternative Energien, haben das Prinzip der Nachhaltigkeit im Unternehmensleitbild und in ihren Produktionsabläufen vorne angestellt. Dies kann durch die Implementation eines Umweltmanagementsystems bzw. durch das Nachhaltigkeitsmanagement gewährleistet werden. Die umfassende Umsetzung und integrierte Betrachtung von Nachhaltigkeit als unternehmerisches Leitbild steckt zwar noch in den Kinderschuhe, ermöglicht aber Kosteneinsparungen, Umsatzsteigerungen und Marktführerschaft.

Verhaltenskodex

Viele Unternehmen verpflichten sich freiwillig zur Einhaltung menschenrechtlicher, sozialer, arbeitsmedizinischer und ökologischer Standards.

Alternativer und Fairer Handel

Organisationen wie Fair Trade e.V. oder Trans Fair sind Handelsorganisationen, die soziale Aspekte wie Menschenrechte und Arbeitnehmerschutz in Entwicklungsländern unterstützen, fördern und ihren Handelsbedingungen zu Grunde legen. Die Zusammenarbeit mit diesen Organisationen beziehungsweise das Konsumieren von Produkten mit ihrem Siegel ist sehr geschätzt und ebenfalls nachhaltiges Wirtschaften.

Ethisches Investment

Einige Banken geben Umweltschutz- oder Entwicklungshilfe-Projekten günstige Kredite und oder verpflichten sich keine Kredite für Unternehmungen zu vergeben, die die Prinzipien von Nachhaltigkeit nicht unterstützen. Bei einigen dieser Ethikfonds kann man wählen für welche Projekte das eigene, angelegte Geld vergeben werden darf.

Literatur

•    Fred Luks: Nachhaltigkeit (ISBN 3-434-46113-2)
•    Wie funktioniert das? - Wirtschaft heute (ISBN 3-411-08874-5)
•    Fair Trade e.V. - Im Zeichen der Nachhaltigkeit
•    Linne, G. & Schwarz, M. (Hrsg.): Handbuch nachhaltige Entwicklung. Wie ist nachhaltiges Wirtschaften machbar?. Opladen: Leske & Budrich, 2003

Weblinks

•    Dossier im DLF vom 2. Oktober 2009: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dossier/1026531/

Einzelnachweise

  1. Deutscher Innovationspreis für nachhaltige Bildung von Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
  2. Fred Luks: Nachhaltigkeit, S. 16
  3. Fair Trade e.V.: Im Zeichen der Nachhaltigkeit, S. 6
  4. Fred Luks - Nachhaltigkeit, S. 56
  5. Fred Luks: Nachhaltigkeit, S. 60
  6. Schaltegger, S.; Hasenmüller, P.: Nachhaltiges Wirtschaften aus Sicht des "Business Case of Sustainability". Ergebnispapier zum Fachdialog des Bundesumweltministeriums (BMU), Lüneburg: Centre for Sustainability Management, 2005, S.5 CSM Lüneburg
  7. Fair Trade e.V.: Im Zeichen der Nachhaltigkeit, S. 23